Achtsam essen

Essen darf heutzutage nur noch wenig Zeit in Anspruch nehmen, denn Zeit ist Geld. Es wird also überall Zeit gespart, wo es möglich ist. Fastfood und Essen to go sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Kaffee wird auf dem Weg zur Arbeit getrunken, das Mittagessen isst man vorm PC und zwischen den Meetings gibt’s dann noch ein paar Snacks als schnelle Energiezufuhr. Abends wir dann entspannt vorm Fernseher gegessen. Einen solchen Livestyle leben immer mehr Menschen.

Doch was macht diese Lebensweise mit unseren Essgewohnheiten, unserem Appetit, unserer Wahrnehmung und letztendlich auch mit unserer Gesundheit und wie können wir wieder mehr Achtsamkeit in unseren Alltag integrieren?

Bei Babys sind fast alle Handlungen durch physische Bedürfnisse geprägt. Bei Hunger wird so lange geschrien, bis es Essen gibt und wenn es nicht das richtige Essen ist, wird es wieder ausgespuckt. Mit zunehmendem Alter werden jedoch andere Reize in den Vordergrund gerückt. Wir essen dann nicht mehr ausschließlich, wenn wir hungrig sind, sondern z.B. wenn uns Werbung suggeriert, dass wir unbedingt ein bestimmtes Lebensmittel zu uns nehmen sollten, damit wir uns besser fühlen, oder weil der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit einfach dazu gehört. Auch Essenszeiten werden nichtmehr durch das Gefühl von Hunger gesetzt, sondern so gelegt, wie sie am besten in den Alltag passen. Dann wird z.B. in der Mittagspause mit den Kolleg*innen gegessen, schnell vor dem Computer ins Brötchen gebissen oder nebenbei ein Film geschaut. Das Essen wird dabei zur Nebensache. Wir nehmen weder war was, noch wie viel wir essen oder wie es uns dabei geht. Dies hat weitreichende Folgen für uns. Wir essen dadurch nämlich oft mehr als wir eigentlich bräuchten und verlieren schnell den Überblick über die Lebensmittel, die wir im Laufe des Tages zu uns genommen haben. Außerdem essen wir häufig nicht das, was unser Körper eigentlich braucht und was uns guttut. Auch wird Essen häufig dazu verwendet Gefühle zu unterdrücken oder uns von ihnen abzulenken.  

Achtsamkeit kann uns dabei helfen zu verstehen warum wir essen, ob unser Körper ein Lebensmittel zur Nährstoffaufnahme braucht, oder ob er es einfach nur will. Sie hat Einfluss auf das Essverhalten, die Lebensmittelwahl und die verzehrten Mengen. Außerdem hilft sie bei der Stressreduktion und lässt uns den Moment bewusst erleben und dadurch auch den Genusswert beim Essen steigern. Meditations- und Atemübungen, Yoga oder Sport können dabei helfen unsere Achtsamkeit zu steigern. Es gibt aber auch spezifische Übungen, um die Achtsamkeit während dem Essen zu verbessern.

Um achtsamer zu essen, versuche vorerst festzustellen, welche Faktoren dein Essverhalten beeinflussen. Frage dich, warum du gerade isst und warum du diese Lebensmittel ausgewählt hast. Hast du Hunger, oder isst du aus Frust, Stress, Gewohnt oder Langeweile?

Besonders am Anfang ist es hilfreich, wenn du Mahlzeiten allein zu dir nimmst. Gespräche mit Freund*innen oder Kolleg*innen, Handy oder Filme sind Ablenkung.

Versuch mit allen Sinnen, Empfindungen und Gedanken beim Essen zu sein. Dies gilt auch schon bei der Vorbereitung. Beim Schneiden von Gemüse oder Kneten von Teig. Dies hilft dir Gerüche, Konsistenz und Geschmack intensiver wahrzunehmen.

Nimm dir ausreichend Zeit für deine Mahlzeit.

Spüre nach, wie sich dein Körper nach dem Essen fühlt. Hast du die Lebensmittel gut vertragen und war die Menge angemessen?

Keine Sorge, es ist nicht schlimm, wenn nicht alles auf Anhieb klappt. Gewohnheiten sind nämlich gar nicht so einfach zu ändern. Aber schon allein wahrzunehmen, wenn du mal zu schnell, oder einfach aus Langeweile gegessen hast, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum achtsamen Essen.

 

Quellen

https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungsberatung/beratungspraxis/achtsam-essen-haltung-oder-methode/

Dr. Julia Bollwein, Positives Essverhalten durch Achtsamkeit, Ernährung im Fokus

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