Chia- Was ist das eigentlich und wofür ist es gut?

Chia- oder besser gesagt die Chiapflanze- wächst vor allem in Zentral- und Südamerika. Sie diente schon den Maya als Grundnahrungsmittel und wurde oft den Laufboten als energiespendende Begleiter mitgegeben. In ihrer Sprache bedeutet Chia so viel wie „Stärke“ oder „Kraft“.

Und tatsächlich: Die kleinen, schwarzen Samen gehören zu den sogenannten Superfoods, also zu den Lebensmittel mit einem überdurchschnittlich hohem Gehalt an bestimmten Nährstoffen.

Doch was haben die kleinen Samen in sich, die die Maya schon vor 5000 Jahren zu schätzen wussten?

Chiasamen enthalten fast doppelt so viel Eiweiß wie Getreide, insgesamt über 20%. Auch wenn die üblicherweise verzehrten Chiamengen eher klein sind, so können sie dennoch zur Proteinversorgung beitragen. Interessant ist zudem das Aminosäureprofil: Die Samen enthalten hohe Anteile an der Aminosäure Tryptophan, welche bekanntlich den Serotoninspiegel positiv beeinflussen und somit die Laune anheben kann.

Omega-3- Fettsäuren

Mit der wertvollste gesundheitliche Vorteil von Chiasamen ist ihr hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Chiasamen bestehen zu 1/5 aus der sogenannten alpha-Linolensäure, die von Enzymen im Körper zu Omega-3- Fettsäuren umgewandelt werden kann. Omega-3 Fettsäuren haben zahlreiche positive Eigenschaften: Sie verbessern die Fließeigenschaften unseres Blutes, sie wirken sich positiv auf unsere Blutfette und unseren Cholesterinspiegel aus. Auch beeinflussen sie unser Immunsystem, da sie Entzündungsreaktionen im Körper hemmen.

Da Omega-3 Fettsäuren vor allem in fettreichem Fisch vorkommen, bietet die Einnahme von Chiasamen eine ideale Omega-3 Quelle für Vegetarier und Veganer.

Chiasamen enthalten auch Omega-6 Fettsäuren, welchen den Körper bei Wundheilung und Infektionsabwehr unterstützt. Jedoch ist hierbei das richtige Verhältnis ausschlaggebend: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein Verhältnis von 5 (Omega-6) zu 1 (Omega-3). Die Mehrheit nimmt jedoch viel zu viel Omega-6 zu sich, was negative Folgen haben kann, da es die Entwicklung von Herzkrankheiten begünstigt. Chiasamen sind mit einem Verhältnis von 3:1 die sogenannten Musterschüler bei der Fettsäurenverteilung.

Kalzium

Der Kalziumgehalt von Chia liegt bei 630 mg pro 100 g Chia und übertrifft damit den Kalziumgehalt von Milch um mehr als das Fünffache. Wer täglich 15 g Chia verzehrt, führt sich mal eben 100 mg zusätzliches Kalzium zu. Und zwar ohne dazu auf Milchprodukte zurückgreifen zu müssen. Kalzium gehört zu den essenziellen Nährstoffen, d.h. unser Körper kann diesen nicht selbst herstellen und ist auf die Zufuhr aus unserer Nahrung angewiesen. Der Großteil des Kalziums befindet sich in unseren Knochen und Zähnen. Jedoch spielt Kalzium auch eine wichtige Rolle bei der Muskelkontraktion, der Blutgerinnung, sowie der Herzfunktion.

Eisen

Mit nur 2 Esslöffeln Chiasamen nimmt man etwa 4,5 Milligramm Eisen auf. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass die empfohlene Tagesdosis bei etwa 10mg liegt. Chiasamen enthalten 4-mal mehr Eisen als Spinat und doppelt so viel Eisen wie Leinsamen. Vor allen für die Energiebereitstellung in den Zellen und für den Sauerstofftransport hat Eisen eine essenzielle Funktion. Ein Mangel kann zu Müdigkeit, Kältegefühl, Appetitlosigkeit bis hin zur Anämie führen.

Ballaststoffe

Chiasamen sind voll mit Ballaststoffen- Sie enthalten ganze 34g pro 100g. Das ist gut, denn unsere typisch westliche Ernährung enthält viel zu wenig Ballaststoffe. Daher sind Verdauungsprobleme- von Verstopfung bis hin zu Darmentzündungen- nichts Neues mehr. Ballaststoffmangel führt zu negativen Veränderungen in der Darmflora, welche Einfluss auf unseren gesamten Organismus haben kann. Ballaststoffe können die Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen. Zudem verlangsamen sie den Kohlenhydratabbau und verhindern dadurch Blutzuckerschwankungen, was Heißhungerattacken vorbeugt.

In Chiasamen stecken ganze 34 % Ballaststoffe.

Tipp: Weicht man Chiasamen kurz ein, quellen sie auf und es entstehen lösliche Ballaststoffe. Das Minutenbrot also am besten noch kurz stehen lassen, bevor es in die Mikrowelle wandert. Dadurch werden die Ballaststoffe bekömmlicher und wirkungsvoller. Sie wirken sich positiv auf die Darmflora aus, saugen Giftstoffe aus dem Verdauungstrakt auf, senken den Cholesterinspiegel und erhöhen die Darmperistaltik, was die Verdauung in Schwung bringt.

 

Quellen:

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